Valeria will zurück in die Schule

23. November 2020

Valeria sitzt mit ihrem Computer auf der kalten Straße vor ihrer Schule. Denn die 17 Jahre alte Italienerin aus der Hauptstadt Rom darf nicht in das Gebäude. Wegen der Corona-Krise muss der Unterricht für ihre Jahrgangsstufe online stattfinden. Das hat die Regierung in Italien so beschlossen, damit sich weniger Leute mit dem Coronavirus anstecken.

Doch statt online zu Hause zu lernen, sind Valeria und andere Schüler vor die Schule gekommen. «Wir sind hier, weil wir denken, dass in den vergangenen Monaten nichts für die öffentlichen Schulen getan wurde», sagt Valeria. Sie hätte sich gewünscht, dass die Regierung die Schulen besser ausstattet. Ein Beispiel wären mehr Schulbänke, damit alle weiter auseinander sitzen können. Dann könnte dort auch Unterricht stattfinden, meint Valeria.

Die Schülerinnen und Schüler sehen auch noch andere Probleme, die es auch in anderen Ländern gibt: Nicht alle Kinder und Jugendlichen haben einen eigenen Laptop. In Italien hatte letztes Jahr etwa jeder zehnte Schüler zwischen sechs und 17 Jahren keinen Computer oder kein Tablet. Oft müssen sich Geschwister ein Gerät teilen. Nicht alle können also einfach am Online-Unterricht teilnehmen. Valeria und die anderen wollen deshalb, dass der Unterricht wieder im Klassenzimmer stattfindet. Den Unterricht zu Hause finden sie oft anstrengend.

Morgens geht es für Valeria um 8.15 Uhr los. «Von dem Moment, in dem der Computer hochfährt, bin ich sechs Stunden am Stück im Unterricht», erzählt sie. Anschließend kommen noch Hausaufgaben dazu. Bis sie fertig ist, ist es meist schon dunkel und die Straßen sind leer, weil Geschäfte nicht mehr auf haben. «Mir macht das auch etwas Angst, nach sechs Uhr draußen zu sein», sagt Valeria.

Der Protest findet nicht nur in Rom statt, sondern auch in anderen Städten. Mittlerweile haben auch Politiker etwas dazu gesagt. Die zuständige Ministerin etwa erklärte, sie wolle daran arbeiten, dass der Online-Unterricht bald vorbei sei. Wann das allerdings sein soll, wissen die Schülerinnen und Schüler bisher nicht.

Von Johannes Neudecker, dpa

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